Dunkelblonde Frau zieht gestreiften großen Schal hoch ins Gesicht bis zu ihren braunen Augen

Wie dir ein Leben ohne schlechtes Gewissen gelingt

ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 1 / 3
by Anna
Weiterlesen...

Inhaltsverzeichnis

Schuldgefühle kannst du überwinden!

Maja läuft schnell die Straße herunter. Gut, dass es regnet, dann kann sie sich besser in ihrem Mantel verstecken. Eigentlich geht sie diesen Weg nicht mehr, denn um die Ecke wohnt Mel. Und wer will schon der*dem Ex begegnen?

Dabei ist sie nicht mal die Verlassene. Sie hatte Schluss gemacht. Endlich. Fand sie. Mel allerdings war am Boden zerstört. Und Maja ist seitdem zerfressen von Schuldgefühle.

„Irgendwie gerecht“, denkt sie sich, während sie weiterhastet, „nachdem, was ich ihr alles angetan habe…“.

Kennst du solche Abwägungen?

Dann bist du leider im Schlechtes-Gewissen-Irrtum gefangen – wie übrigens die meisten! Irrtum? Ja, Schuldgefühle braucht nämlich keine*r!

Was ich damit meine und wie die sinnvolle Alternative zu Schuldgefühlen aussieht? Lies selbst:

Spinnennetz mit kleinen Wassertropfen vor grünem Hintergrund

Schuldgefühle loswerden - wozu eigentlich?

Geht das Thema Schuldgefühle dich etwas an?

Ich schätze, du hast – wie ich – Teil an dieser Gesellschaft und Kultur. Dann geht es dich etwas an! Denn Schuld spielt eine sehr große Rolle. Es ist Teil unserer Erziehung, unserer Kommunikation, unserer Gedanken und unseres täglichen Miteinanders – oder Gegeneinanders.

Überlege mal, wie oft du dich (täglich) entschuldigst. „Sorry, darf ich mal…“, „oh, Verzeihung!“, „das tut mir Leid!“, Entschuldigung…“. Und wofür? Für eine verspätete E-Mail, ein unachtsames Wort, die vergessene Verabredung. Sich entschuldigen kann man eigentlich ständig, ob nun aus Reue oder vorsorglicher Höflichkeit – es findet sich immer etwas.

Ist es nicht faszinierend, wie selbstverständlich die Idee von Schuld für uns ist?

Klar, sich mal im Supermarkt zu entschuldigen, weil man mal versehentlich jemanden anrempelt: das ist nicht das große Problem. Aber ein ständig mitschwingendes schlechtes Gewissen ist Abbild des subtilen und impliziten Drucks: „Verhalte dich immer unschuldig“ – was z. B. bedeutet:

  • angepasst,
  • unauffällig,
  • zurückhaltend,
  • brav,
  • usw.

Basis für ein lebendiges, selbstbewusstes, freies Leben? Wohl kaum.

Schuld – ein unbewusstes Konzept

Bewusst nehmen wir das alles meistens nicht wahr – und da liegt auch schon das Problem: Ein Konzept wie Schuld lenkt unser Leben, ohne dass wir es erkennen! Distanzieren können wir uns dann nicht mehr – denn wovon auch, wenn wir es gar nicht bemerken…

So entscheiden wir auch nicht mehr bewusst, was wir für richtig, angemessen und sinnvoll halten! Das sollten wir aber. Denn gerade ein schlechtes Gewissen schwächt uns massiv.

Ich schlage vor: wir lassen das mit den Schuldgefühlen und finden einen neuen Umgang mit uns und der Welt!

Klingt ein ziemlich radikal, oder?

  • Ein bisschen weniger Schuldgefühle wären ja gut, aber ganz ohne lieber nicht.
  • Ein schlechtes Gewissen hat doch etwas Gutes, man verhält sich ja dann besser.
  • Manche Schuldgefühle sollte man schon behalten (oder: manche sollten Schuldgefühle schon behalten).

Nein, Schuldgefühle sind ein Irrtum. Sie sind die schlechtere Wahl, bei einer so viel besseren Alternative:

Person hält schwarze Maske in den Händen vor orange-schwarzem Hintergrund

Schuldgefühle und was sie nicht bewirken

Kennst du auch Menschen, die sich für alles entschuldigen? Z. B. dafür, dass es regnet, wenn man als Besuch tropfnass vor der Tür steht. Oder weil die Sonne heute so heiß ist. Oder, oder, oder.

Hier merkt man als Gegenüber schnell, wie überflüssig so ein schlechtes Gewissen ist – "Dafür kannst du ja nichts!".

Was aber, wenn jemand wirklich Schaden zugefügt hat? Und Schuldgefühle verhindern doch unangebrachtes Verhalten, oder nicht?

Typisch: Schlechtes Gewissen beruhigen

Schuldgefühle wirken nicht präventiv

Beispiel: Fremdgehen

Ein schlechtes Gewissen wirkt zwar auf unser Verhalten. Aber nicht indem wir unterlassen, wofür wir uns schuldig fühlen. Wir versuchen stattdessen danach, wieder gut zu machen, was wir verbrochen haben. Und fühlen uns schlecht dabei.

Beispiel: Maja geht fremd und hat Schuldgefühle. Sie organisiert aus schlechtem Gewissen sogar einen Kurzurlaub mit Mel. Es fühlt sich schrecklich an und sie kann es kaum genießen. Ihre größte Angst ist, dass ihr eigentliches Motiv ans Licht kommt: ihre Schuld. Dreimal schlafen, Urlaub vorbei, geschafft.

Wird ihr Schuldgefühl sie wirklich vom nächsten Mal Fremdgehen abhalten? Vermutlich nicht. Denn das Fremdgehen ist gar nicht ihr Problem. Das war aufregend und irgendwie lebendig, wenn sie ehrlich ist.

Problem sind alleine die Schuldgefühle. Also wird sie künftig besonders gekonnt, jeder Konfrontation mit ihrem schlechten Gewissen aus dem Weg gehen: sicher wird sie keinen Urlaub mehr organisieren und sich die Tortur lieber sparen…

Als Präventionsmittel sind Schuldgefühle sehr unzuverlässig und ungeeignet.

Schuldgefühle sind kein Mitgefühl

Beispiel: Jemanden verletzen

Aber ist es nicht wenigstens ein Ausdruck von Mitgefühl? Und für Wiedergutmachung sinnvoll? Nein.

Noch ein Beispiel: Maja beleidigt Mel im Streit. Mel fühlt sich sehr verletzt und Maja darum schrecklich. Sie fängt an, sich zu entschuldigen. Es zieht unerträglich in ihr, weil sie etwas falsch gemacht hat. Sie lässt sich alles mögliche einfallen, backt einen Kuchen, kauft Blumen…

Ist doch nett, oder? Jein. Sieh mal genauer hin: während sie Kuchen essen, achtet Maja genau auf jedes Anzeichen dafür, dass Mel ihr vergeben hat. Alles, was sie sagt und tut, richtet sie auf ein Ziel aus: möglichst bald zu sehen, dass sich Mels Stimmung und Gefühle geändert haben. War da ein Lächeln? Ah gut, Erleichterung. Ist endlich wieder alles gut zwischen uns? Wunderbar.

Kommt dir das bekannt vor? Das ist kein Ausdruck von tiefem Mitgefühl! Das ist ein verzweifelter Versuch, sich selbst besser zu fühlen. Es geht Maja nicht um Mel, es geht ihr um sich selbst!

Das heißt nicht, dass Maja Mel nicht liebt. Es heißt aber auch nicht, dass Maja sich dabei auch nur ein einziges Mal in Mel hinein gefühlt hat, um für Mel da zu sein. Maja kann noch so empathisch und liebevoll sein. In dieser Situation hat sie sich nicht um Mel gekümmert, sondern ist ihrer eigenen Angst gefolgt. Angst vor Einsamkeit, vor Zurückweisung, Scham, vor einem Bruch ihres Selbstbildes, was auch immer!

Person streckt eine Schokoladentorte auf ihren Händen liegend ins Bild

Alternative zum schlechten Gewissen: Präsent bleiben

Was kannst du tun? Präsent im Moment bleiben:

  • Du bleibst bei den Gefühlen deines Gegenübers.
  • Du bleibst bei deinen eigenen Gefühlen.
  • Du bleibst bei dir und lässt gleichzeitig dein Gegenüber dein Dasein spüren.
  • Du spürst, was gerade passiert.

Das ist das Mutigste und gleichzeitig Schwierigste, für das du dich entscheiden kannst. Denn du stehst dabei zu dir selbst. Und das ist oft richtig schwierig. Zu gut haben wir alle gelernt, uns in den Mantel der Schuldgefühle einzuhüllen – und damit mindestens innerlich wegzulaufen.

In deiner Präsenz kannst du dich z. B. darum kümmern, dein Gegenüber zu unterstützen. Ob das umarmen oder in Ruhe lassen heißt: was jeweils angemessen ist, erkennst du erst, wenn du bewusst hinsiehst. Vielleicht kannst du sogar gemeinsam in den Urlaub fahren oder Kuchen essen. Dann aber freust du dich an diesem gemeinsamen Urlaub und genießt den Kuchen auch.

Den Unterschied macht die Ausrichtung deines inneren Fokus – deine Präsenz!

Frau und Mann liegen nebeneinander Betonboden und sehen sich ernst an

Schuldgefühle sind Angst

Aber trotzdem noch einmal: Haben Schuldgefühle nicht schon zu weniger Unheil geführt? Zu sanfterem Umgehen miteinander und zu mehr Vorsicht?

Ja, vermutlich. Aber nicht aus Liebe, sondern höchstens aus Angst.

Schuldgefühle bedeuten einen _ängstlichen_ Umgang miteinander. Ein schlechtes Gewissen entsteht aus Angst: vor den eigenen Gefühlen oder denen anderer, Angst davor, ausgestoßen zu werden, einsam zu sein usw..

Und es führt in die Angst: denn es gaukelt dir vor, du bräuchtest Schuldgefühle. Hättest du sie nicht, beweise das ja z. B., dass du ein verachtenswerter Menschen seist.

Das schlechte Gewissen soll dann ersetzen, was du verloren glaubst: z. B. ausreichend persönliche Werte, Zuneigung und Fürsorge. Um was auch immer es gerade geht.

Schuldgefühle machen dir weis:

  • du wärst mangelhaft und nicht liebenswert,
  • du wärst nicht gut genug darin, mit anderen Lebewesen liebevoll zu zusammen zu leben,
  • deine Wünsche und Bedürfnisse wären weniger wert als die anderer,
  • usw.

Und das scheinst du dir dann auch noch zu beweisen: denn Angst blockiert dich, engt dich in deinem Denken und Fühlen ein und verhindert tiefe Begegnungen. Sie schränkt dich schließlich darin ein, freie, wohltuende Verbindungen zu spüren und zu pflegen. War ja klar…

Du merkst es, oder? Wir drehen uns im Kreis…

Ein schlechtes Gewissen soll ersetzen, was wir verloren glauben: z. B. ausreichend persönliche Werte, Zuneigung und Fürsorge. Schuldgefühle machen uns weis, wir wären mangelhaft und nicht gut genug darin, mit anderen Lebewesen liebevoll zu zusammen zu leben.

Und das scheinen wir uns zu beweisen. Angst blockiert uns, engt uns in unserem Denken und Fühlen ein und verhindert tiefe Begegnungen. Sie schränkt uns schließlich darin ein, freie, wohltuende Verbindungen zu spüren und zu pflegen.

Wir drehen uns im Kreis. Einen klaren Blick verlieren wir.

Blaue Neonbuchstaben mit dem Wort EXIT und einem Pfeil nach rechts unten vor schwarzem Hintergrund

Wege aus deinen Schuldgefühlen

Und jetzt? Raus aus diesem Kreislauf! Du lernst mit deiner Angst umzugehen und hörst gleichzeitig auf, deine Schuldgefühle zu füttern.

Und siehe da, du wirst feststellen: du brauchst keinen Ersatz für das, was in uns Menschentieren angelegt ist: die Fähigkeit zur Verbundenheit.

Du wirst verlernen, dich schuldig zu fühlen und lernen dich sicher zu fühlen. Und du wirst überrascht sein, wie viel Zuneigung und Mitgefühl in dir steckt. Es sei denn, du hast guten Grund dich zu wehren und deine Krallen auszufahren.

Denn gleichzeitig erkennst du klarer, wen und was du alles nicht magst. Wann du ein „Nein“, statt ein „Ja“ brauchst und welche Beziehungen du nicht mehr führen willst.

Statt mit schlechtem Gewissen zu wiederholen, was du verabscheust, kannst du neue lebendige Wege für dein Leben finden.

Bist du dabei? Wenn du diesen Weg nicht alleine gehen willst: vereinbare einen Termin mit mir!

Wie beeinflussen Schuldgefühle deinen Alltag? Was hast du schon erlebt, wenn du sie transformierst?

Weiter geht es mit…

In der nächsten Folge dieser Arktikelserie untersuchen wir, ob Schuldgefühle eigentlich tatsächlich Gefühle sind. Im dritten Teil lernst du sechs typische Situationen kennen, in denen ein schlechtes Gewissen besonders häufig auftritt.

Dein schlechtes Gewissen verstehen – typische Symptome
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 2 / 3

300 Höhenmeter, steiniger Boden, sengende Mittagssonne. Noch stehst du am Fuß des Berges. Du und dein Rucksack mit gefühlt 20.578 notwendigen Dingen. Kein Lift, kein Auto, kein Rollkoffer. Trotzdem wirst du heute Abend den Gipfel erreicht haben. Und dann kannst du dich nicht nur über frische Bergluft freuen: du kannst du endlich deinen viel zu schweren Rucksack absetzen!

Schlechtes Gewissen ohne Grund? Sechs typische Auslöser!
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 3 / 3

„Du bist so egoistisch. Sorry, aber das wirst du doch wohl schnell machen können.“ Eric ist wütend und Lina zweifelt. Nach wochenlangem Hin und Her, hat sie sich endlich geweigert seine Aufgaben zu übernehmen. Es hat sie viel Überwindung gekostet.


Was sind deine Gedanken und Erfahrungen? Schreibe gerne einen Kommentar – ich freue mich darauf, dir zu antworten!

Wenn du mit mir arbeiten magst, stöbere gerne in meinen Angeboten. Mit einer Nachricht erreichst du mich persönlich.

Lass uns leben,

Deine Anna