Dunkelblonde Frau zieht gestreiften großen Schal hoch ins Gesicht bis zu ihren braunen Augen

Wie gelingt uns ein Leben ohne schlechtes Gewissen?

ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 1 / 2
by Anna
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Von Schuldgefühlen können wir uns befreien

Quälen die Tage oder die Nächte mehr? Majas Herz hämmert in ihrer Brust. Ihr Nachthemd klebt schweißnass an ihrem Rücken. Es ist 05:30 Uhr, in einer Stunde wird ihr Wecker klingeln. In ihrem Kopf rasen die Bilder ihres Traums:

Eine unbekannte Gestalt begegnet ihr und überreicht ihr einen Umschlag. Mit schweren Händen öffnet sie ihn. Acht schwarze Buchstaben auf grauem Papier – SCHULDIG.

Sie träumt diesen Traum, seit sie mit Mel Schluss gemacht hat. Endlich, wie sie fand. Mels Welt aber schien unterzugehen. Und ihre dann auch: Schuldgefühle gossen ihr Leben seitdem in grauen Beton.

Die Wendung: Maja hat keine Schuldgefühle mehr. Und Mel ist bald über die Trennung hinweg gekommen.

Wie ist Maja das gelungen? Und ist das überhaupt erstrebenswert?

Es lohnt sich ein komplexes Thema wie ‚Schuldgefühle‘ sorgfältig zu entwirren. Meine Erkenntnisse dazu teile ich mit dir in dieser Artikelserie ‚ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle‘.

Zuerst stelle ich dir hier eine sinnvolle Alternative zu Schuldgefühlen vor, für die wir uns entscheiden sollten:

Spinnennetz mit kleinen Wassertropfen vor grünem Hintergrund

Schuldgefühle loswerden - wozu eigentlich?

Geht das Thema Schuldgefühle dich etwas an?

Ich behaupte: ja. Oder ‚ent-schuldigst‘ du dich nicht, wenn du beim Einkaufen versehentlich jemanden anschubst?

Wenn ja, gehörst du wie ich zu einer Gesellschaft, die das Konzept Schuld verinnerlicht hat. Es ist Teil unserer Erziehung und des täglichen Miteinanders – oder Gegeneinanders.

Sich im Supermarkt zu entschuldigen, ist nicht das Problem. Aber es zeigt, wie selbstverständlich die Idee von Schuld für uns ist. Dadurch entsteht ein subtiler und impliziter Druck, uns auf eine bestimmte Art zu verhalten: möglichst unschuldig.

Wir nehmen das nicht bewusst wahr – und das ist ein Problem. Denn so lenkt ein Konzept wie Schuld unser Leben, ohne dass wir es bemerken!

Und wir können uns davon nicht mehr distanzieren. Das heißt, wir entscheiden nicht selbst, was wir für richtig, angemessen und sinnvoll halten!

Das sollten wir aber unbedingt können. Statt uns Lebensfreude, Glück und Frieden zu bringen, schwächt ein schlechtes Gewissen uns nämlich massiv.

Ich schlage vor: wir lösen uns von unseren Schuldgefühlen und finden einen neuen Umgang mit uns und der Welt!

Was sagen deine Zweifel? Ein bisschen weniger Schuldgefühle wären ja gut, aber ganz ohne lieber nicht? Das hat doch etwas Gutes, man verhält sich ja dann besser? Sollten wir Schuldgefühle nicht einfach behalten?

Schuldgefühle sind ein Irrtum. Sie sind die schlechtere Wahl, bei einer so viel besseren Alternative – Mitgefühl und Verbindung. Oder klarer Abgrenzung. Lies selbst:

Person hält schwarze Maske in den Händen vor orange-schwarzem Hintergrund

Schuldgefühle und was sie nicht bewirken

Kennst du auch Menschen, die sich für alles entschuldigen? Z. B. dafür, dass es regnet, wenn man als Besuch tropfnass vor ihrer Tür steht.

Ok, das ist der Situation nicht angemessen. Dieses schlechte Gewissen loswerden zu wollen, ist ziemlich logisch.

Was aber, wenn unser Handeln jemandem Schaden zugefügt hat? Und Schuldgefühle verhindern doch unangebrachtes Verhalten, oder nicht?

Ein schlechtes Gewissen wirkt zwar auf unser Verhalten. Aber nicht indem wir unterlassen, wofür wir uns schuldig fühlen. Wir versuchen stattdessen, wieder gut zu machen, was wir verbrochen haben. Und fühlen uns schlecht dabei. Als Präventionsmittel ist es ungeeignet.

Beispiel: Maja geht fremd und hat Schuldgefühle. Sie organisiert aus schlechtem Gewissen sogar einen Kurzurlaub mit Mel. Es fühlt sich schrecklich an und sie kann es kaum genießen. Ihre größte Angst ist es, dass ihr eigentliches Motiv ans Licht kommt: ihre Schuld. Urlaub vorbei, geschafft.

Wird ihr Schuldgefühl sie vom nächsten Mal Fremdgehen abhalten? Nein. Andere Gründe vielleicht schon – z. B. wenn sie die Beziehung erhalten möchte.

Aber ist es nicht wenigstens ein Ausdruck von Mitgefühl? Und für die Wiedergutmachung sinnvoll? Nein.

Noch ein Beispiel: Maja beleidigt Mel im Streit. Mel fühlt sich sehr verletzt und Maja darum schrecklich. Sie fängt an, sich zu entschuldigen. Es zieht unerträglich in ihr, weil sie etwas falsch gemacht hat. Sie lässt sich alles mögliche einfallen, backt einen Kuchen, kauft Blumen.

Währenddessen achtet Maja genau auf jedes Anzeichen dafür, dass Mel ihr vergeben hat. Alles, was sie sagt und tut, richtet sie auf ein Ziel aus: möglichst bald zu sehen, dass sich Mels Stimmung und Gefühle geändert haben. War da ein Lächeln? Ah gut, Erleichterung. Ist endlich wieder alles gut zwischen uns? Wunderbar.

Kommt dir das bekannt vor?

Das ist kein Ausdruck von Mitgefühl! Das ist ein verzweifelter Versuch, sich selbst besser zu fühlen.

Das heißt nicht, dass Maja Mel nicht liebt.

Es heißt aber auch nicht, dass Maja sich dabei auch nur ein einziges Mal in Mel hinein gefühlt hat, um für Mel da zu sein – bei allem Schmerz. Maja ist ein sehr empathischer, liebevoller Mensch. Aber in dieser Situation hat sie sich selbst in ihrer Angst verloren und war zudem nicht bei Mel.

Person streckt eine Schokoladentorte auf ihren Händen liegend ins Bild

Alternativen zum schlechten Gewissen

Was können wir tun? Präsent im Moment bleiben.

Wir bleiben bei den Gefühlen unseres Gegenübers. Wir bleiben bei unseren eigenen Gefühlen. Wir bleiben bei uns und lassen gleichzeitig unser Gegenüber unser Dasein spüren.

Wir spüren, was gerade passiert.

Das ist das Mutigste und gleichzeitig Schwierigste, für das wir uns entscheiden können. Denn wir stehen dabei zu uns selbst und das kennen wir in der Regel kaum. Wir haben gelernt, uns in den Mantel der Schuldgefühle einzuhüllen und damit mindestens innerlich wegzulaufen.

In unserer Präsenz, können wir uns z. B. darum kümmern, unser Gegenüber zu unterstützen. Auch wenn das heißt, sie*ihn alleine und in Ruhe zu lassen, wenn sie*er das möchte. Was jeweils angemessen sein mag: wir haben erst die Chance zu erkennen, wenn wir hinsehen.

Und dann können wir zusammen in den Urlaub fahren oder einen Kuchen backen. Weil wir uns daran freuen, zusammen in den Urlaub zu fahren und Kuchen zu essen. Den Unterschied macht die Ausrichtung unseres inneren Fokus!

Frau und Mann liegen nebeneinander Betonboden und sehen sich ernst an

Schuldgefühle sind Angst

Haben Schuldgefühle nicht trotzdem schon zu weniger Unheil geführt? Zu sanfterem Umgehen miteinander und zu mehr Vorsicht?

Ja. Sicher haben Schuldgefühle schon diverse Impulse gebremst, die weder sanft noch vorsichtig gewesen wären. Aber das funktioniert nur manchmal und vorübergehend. An anderer Stelle und auf andere Weise eskaliert, was wir zurückdrücken.

Primär bedeuten Schuldgefühle einen ängstlichen Umgang miteinander. Ein schlechtes Gewissen entsteht aus Angst – vor den eigenen Gefühlen oder denen anderer, Angst davor, ausgestoßen zu werden, einsam zu sein usw..

Und es führt in die Angst: denn es gaukeln uns vor, wir bräuchten Schuldgefühle. Hätten wir sie nicht, beweise das ja z. B., dass wir verachtenswerte Menschen seien.

Ein schlechtes Gewissen soll ersetzen, was wir verloren glauben: z. B. ausreichend persönliche Werte, Zuneigung und Fürsorge. Schuldgefühle machen uns weis, wir wären mangelhaft und nicht gut genug darin, mit anderen Lebewesen liebevoll zu zusammen zu leben.

Und das scheinen wir uns zu beweisen. Angst blockiert uns, engt uns in unserem Denken und Fühlen ein und verhindert tiefe Begegnungen. Sie schränkt uns schließlich darin ein, freie, wohltuende Verbindungen zu spüren und zu pflegen.

Wir drehen uns im Kreis. Einen klaren Blick verlieren wir.

Blaue Neonbuchstaben mit dem Wort EXIT und einem Pfeil nach rechts unten vor schwarzem Hintergrund

Wege aus unseren Schuldgefühlen

Und jetzt? Wir treten aus diesem Kreislauf aus. Wir lernen mit unserer Angst umzugehen und hören gleichzeitig auf, unsere Schuldgefühle zu füttern.

Und siehe da, wir werden feststellen: wir brauchen keinen Ersatz für das, was in uns Menschentieren angelegt ist: die Fähigkeit zur Verbundenheit.

Wir werden verlernen, uns schuldig zu fühlen und lernen uns sicher zu fühlen – wenn wir es sind. Und wir werden überrascht sein, wie viel Zuneigung und Mitgefühl in uns steckt.

Es sei denn, wir haben guten Grund uns zu wehren und unsere Krallen auszufahren. Gleichzeitig erkennen wir klarer, wen und was wir alles nicht mögen. Wann wir ein Nein, statt ein Ja brauchen und welche Beziehungen wir nicht mehr führen wollen.

Statt mit schlechtem Gewissen zu wiederholen, was wir verabscheuen, können wir neue lebendige Wege für unser Leben finden.

Wie beeinflussen dich Schuldgefühle im Alltag? Hast du schon erlebt, was sich verändert, wenn du sie transformierst?

Weiter geht es mit…

In der nächsten Folge dieser Arktikelserie untersuchen wir, ob Schuldgefühle eigentlich tatsächlich Gefühle sind.

Frau hält Handfläche an verregnete Glasscheibe vor ihr

Sind Schuldgefühle überhaupt Gefühle?
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 2 / 2

300 Höhenmeter, steiniger Boden, sengende Mittagssonne. Noch stehst du am Fuß des Berges. Du und dein Rucksack mit gefühlt 20.578 notwendigen Dingen. Kein Lift, kein Auto, kein Rollkoffer. Trotzdem wirst du heute Abend den Gipfel erreicht haben. Und dann kannst du dich nicht nur über frische Bergluft freuen: du kannst du endlich deinen viel zu schweren Rucksack absetzen!


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Lass uns leben,

Deine Anna