Frau hält Handfläche an verregnete Glasscheibe vor ihr

Sind Schuldgefühle überhaupt Gefühle?

ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 2 / 2
by Anna
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Dein schlechtes Gewissen – wie viel Last trägst du?

400 Höhenmeter, steiniger Boden, sengende Mittagssonne. Noch stehst du am Fuß des Berges. Du und dein Rucksack mit den gefühlt 20.578 notwendigen Dingen. Kein Lift, kein Auto, kein Rollkoffer.

Trotzdem wirst du heute Abend den Gipfel erreicht haben. Und dann kannst du dich nicht nur über frische Bergluft freuen: du kannst endlich deinen viel zu schweren Rucksack absetzen!

Spürst du die Erleichterung schon? Durchatmen. In alle Richtungen strecken. Dich leicht fühlen.

So läuft das auch, wenn du beschließt, deine Schuldgefühle endlich hinter dir zu lassen:

  1. Der Weg zu einem Leben ohne Schuldgefühle ist oft zuerst steinig und anstrengend – aber die Erleichterung wartet auf dich! Und du weißt ja: Schuldgefühle machen es nicht besser…  
  2. Dein schlechtes Gewissen empfindest du körperlich gewöhnlich tatsächlich ähnlich wie schweres Gepäck (siehe Quelle 1.). Es zieht dich förmlich herunter.

Aber was ist der erste Schritt dieses Weges? Wie geht das?

Verstehen, was Schuldgefühle sind! Denn sie sind mehr als Gefühle und dieses Wissen brauchst du, um sie loszuwerden.

Berggipfel mit verlassenem Ziegelsteinhaus vor blauem Himmel mit einigen Wolken

Was sind Schuldgefühle?

Schuldgefühle erschaffen wir selbst

Maja aus dem vorigen Artikel hat ein schlechtes Gewissen, weil Mel unter der Trennung leidet. Der Grund für ihre Schuldgefühle liegt außerhalb von ihr. Glaubt sie.

Aber sie könnte sich auch unabhängig von Mels Befinden schuldig fühlen. Denn es reicht, dass sie selbst ihr Verhalten verurteilt. Da könnte es Mel mit der Trennung bestens gehen.

Ob uns jemand als schuldig empfindet, ist für ein schlechtes Gewissen mindestens zweitrangig! Und trotzdem tauchen Schuldgefühle pünktlich, passend und aus dem Nichts auf. Scheinbar ganz ohne unser Zutun. Kennst du das?

Das trügt. Denn wir tun eine ganze Menge dafür, dass wir Schuldgefühle haben. Genauer gesagt: wir erschaffen sie selbst. Solange wir das aber nicht bewusst tun, sondern unbewusst, wirkt es wie automatisch.

Und das sorgt dafür, dass wir unserem schlechten Gewissen ohnmächtig gegenüberstehen. Dann lindern auch Affirmationen und Vergebungsrituale die Last auf unseren Schulter kaum.

Frau mit langen Haaren sitzt im Schneidersitz mit hängendem Kopf auf Asphalt mit gelben Markierungen

Machen wir uns lieber klar, was Schuldgefühle genau sind:

Schuldgefühle sind persönlich

Schuldgefühle sind nicht einfach nur Gefühle. Sie sind ein persönliches, ausgefeiltes Konstrukt aus:

  1. schmerzlichen Gedanken ( z. B. „ich habe alles kaputt gemacht“),
  2. Körperempfindungen (z. B. Schwere, Beklemmung, Herzklopfen) und
  3. Emotionen (z. B. Angst, Trauer und Wut),

Dazu verbinden sich Schuldgefühle auch häufig noch mit Scham. Das zu unterscheiden, ist gar nicht so einfach: allein Körpersprache und -empfindungen sind sehr ähnlich.

Aber ein schlechtes Gewissen und Scham sind nicht das Gleiche. Genau genommen beziehen sich Schuldgefühle nämlich auf das eigene Verhalten und andere Personen – Scham hingegen auf die eigene Person und führt zur Überzeugung von persönlicher Wertlosigkeit (siehe Quelle 2.). Beides kann sich so ineinander verschränken, dass die Grenzen verschwimmen.

Es ist dennoch sinnvoll, sie differenziert zu betrachten. Denn sie entstehen auf unterschiedliche Weise und bedürfen unterschiedlichen Umgangs. Mehr über das Thema Scham findest du hier auch bald. Abonniere meinen Newsletter, dann erfährst du, wann es soweit ist!

Frau mit kinnlangen dunklen Haaren und schwarz-weiß gestreiftem Pullover im Profil, hält sich die Hände vor das Gesicht, vor Ziegelwand stehend

Naja, Schuldgefühle sind also mehr als Gefühle – aber wie ist es möglich, dass wir sie selbst erschaffen?

Wir backen ein Schuldgefühl

Mit folgendem Rezept kannst du dir ein Schuldgefühle „backen“. Es funktioniert bestimmt!

Willst du gar nicht? Dann weißt du, was du besser lassen solltest…

Rezept für Schuldgefühle

Für ein Schuldgefühl brauchen wir folgende Werkzeuge:

  1. Eine innere Skala.
    Auf ihr können wir unser Verhalten von gut bis schlecht einteilen. Das rechnen wir gewöhnlich unserer Instanz Gewissen (siehe Quelle 3.) zu.
  2. Etwas in uns,
    • das unser Verhalten mithilfe der inneren Skala als schlecht beurteilt – und auch nichts Überzeugendes findet, dass es besser macht (Rechtfertigungsgründe).
    • das unser schlechtes Verhalten ursächlich mit etwas Schlimmen verbindet: mit bestimmten Reaktionen (Strafe, Ausgestoßensein, Liebesentzug usw.) und / oder dem Leiden anderer Menschen. Auch dieser Anteil wird meistens in unserem Gewissen (siehe Quelle 3.) verortet.

Damit messen wir folgende Zutaten ab und vermischen sie gut:

  1. Ein bestimmtes Verhalten.
    Ausreichend „schlimm“ sollte es nach unserer Skala sein.
    Falls wir besonders geübt im Schuldgefühle-Backen sind, können wir das schlechte Gewissen mit jedem Verhalten hervorrufen. Wir können immer etwas Schlechtes finden.
    Und falls wir Profis sind, reicht auch unsere Existenz. Wie wir uns verhalten haben, ist gar nicht mehr wichtig. Wir fühlen uns schuldig, weil wir da sind.
  2. Entsprechende „Symptome“.
    • Das sind typische unangenehme Gedanken (z. B. „ich bin so ungeschickt“),
    • Körperempfindungen (z. B. Schwere im Oberkörper und flache Atmung) und
    • Emotionen (z. B. Trauer oder Wut).

Jetzt alles so lange verrühren und ziehen lassen, bis sich eine großen Selbstanklage-Masse gebildet hat.

Fertig ist das Schuldgefühl!

Extra-Tipp: Besonders schön zäh und klebrig wird es, wenn wir uns selbst (oder einander) in unseren unangenehmen Gedanken, Körperempfindungen und Emotionen kontinuierlich bestärken.

Hand hält bunten Schneebesen mit weißer Creme

Was bringt dir dieses Rezept jetzt? Du kannst damit Schulgefühle besser enttarnen:

So kannst du Schuldgefühle erkennen

Du fühlst dich nicht wohl? Nimm das Rezept zum Schuldgefühle-Backen und prüfe, ob es an deinem schlechten Gewissen liegt:

  1. Ist eine beurteilende, wertende Skala für dein Verhalten aktiv?
  2. Gibt es etwas in dir, dass dein Verhalten (oder sogar deine Existenz)
    • in den Bereich „schlecht“ dieser Skala einteilt,
    • keine Rechtfertigungsgründe für eine andere Bewertung gelten lässt,
    • und zwingend mit etwas Unangenehmem für dich (Strafe egal welcher Art) und / oder ursächlich mit dem Leiden anderer Menschen verbindet? Was hast du „verbrochen“, wofür musst du „büßen“?
  3. Nimmst du wahr:
    • unangenehme, selbstabwertende Gedanken,
    • unangenehme, eher schwere Körperempfindungen und
    • Emotionen?
  4. Bestärkst du dich selbst darin oder wirst du bestärkt, so zu fühlen und zu denken?

Mit Hinterfragen und Hinterfühlen durchschaust du Schuldgefühle besser. Dadurch wirst du sie mit der Zeit schneller bemerken. Und das ist der erste Schritt, sie loszuwerden! Denn mit diesem Wissen kannst du lernen, dich für andere Möglichkeiten zu entscheiden. Dabei begleite ich dich gerne.

Was die nächsten Schritte auf dem Weg in ein Leben ohne schlechtes Gewissen sind, erfährst du in den folgenden Artikeln dieser Serie! Lass dir das nicht entgehen und melde dich für meinen Newsletter an!

 

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Wozu sollten wir Schuldgefühle loswerden wollen? Im ersten Artikel der Reihe 'ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle' findest du Antworten!

Dunkelblonde Frau zieht gestreiften großen Schal hoch ins Gesicht bis zu ihren braunen Augen

Wie gelingt uns ein Leben ohne schlechtes Gewissen?
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 1 / 2

Quälen die Tage oder die Nächte mehr? Majas Herz hämmert in ihrer Brust. Ihr Nachthemd klebt schweißnass an ihrem Rücken. Es ist 05:30 Uhr, in einer Stunde wird ihr Wecker klingeln. In ihrem Kopf rasen die Bilder ihres Traums: Immer wieder begegnet ihr eine unbekannte Gestalt und überreicht ihr einen Umschlag. Mit schweren Händen öffnet sie ihn. Acht schwarze Buchstaben auf grauem Papier – SCHULDIG.


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Deine Anna