Portrait einer Frau spiegelt sich in einem ovalen Spiegel

Sechs typische Situationen, die deine Schuldgefühle auslösen

ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 3 / 3
by Anna
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Schuldgefühle erkennen und loswerden

„Du bist so egoistisch. Sorry, aber das wirst du doch wohl schnell machen können.“

Eric ist wütend und Lina zweifelt. Nach wochenlangem Hin und Her, hat sie sich endlich geweigert seine Aufgaben zu übernehmen. Es hat sie viel Überwindung gekostet. Schließlich sind Überstunden für Eric ja besonders blöd mit seinem Pflegekind…. Nein, es reicht. Sie packt ihre Tasche und geht nach Hause.

Stunden später ist Lina immer noch angespannt und müde. Sie sagt ein Treffen mit ihrer besten Freundin ab. Warum, weiß sie nicht so genau.

Sie steht am Fenster und sieht in den Himmel. Eigentlich ist doch alles ok?! Eigentlich. Sie hatte doch ihre Grenze endlich gewahrt. Äußerlich. Aber der Konflikt geht ihr nicht aus Kopf und Körper.

Es sind Schuldgefühle. Sie seufzt. Genervt und erleichtert. Wenn es das ist – damit wird sie klar kommen.

Und du auch.

Sobald du weißt, um was es geht, wird es leichter hinzusehen, hinzufühlen, hinzuhören und vor allem: trotzdem tief zu atmen und die Füße auf dem Boden zu spüren. Und das ist der Anfang von mehr Lebendigkeit und weniger Erschöpfung.

Frau mit roten Pullover rauft sich die Haare vor orangem Hintergrund

Was löst dein schlechtes Gewissen aus?

Damit es dir einfacher gelingt, deine Schuldgefühle zu entdecken – sechs typische Kategorien von Situationen, die in unserer Gesellschaft für ein schlechtes Gewissen prädestiniert sind:

Schuldgefühl-Situation Nr. 1

Du hättest etwas anders machen können – und das hätte etwas an einer problematischen Situation geändert.

Warum hat das Leben keine Zurück-Taste? Der typische Mindfuck.

Sieh genauer hin: Welchem Impuls bist du nachgegangen und welchem nicht? Wir wählen unser Verhalten! Und zwar das, das uns geeignet erscheint für eine Situation. Unsere Perspektive bestimmt, was uns als geeignet erscheint. Welche Perspektive hast du eingenommen? So gesehen, war es die beste Entscheidung, die du treffen konntest.

Noch einmal: Wir tun das Beste, was wir in dem Moment aus unserer Perspektive tun können. Das muss für andere Personen weder nachvollziehbar noch angemessen sein. Und für uns im Nachhinein auch nicht!

Welche Perspektive möchtest du einnehmen? Wie kannst du die Situation beschreiben, wenn Schuld keine Möglichkeit ist?

Schuldgefühl-Situation Nr. 2

Egal, was du getan hättest – es hätte nichts an der problematischen Situation geändert.

Typisch sind Schuldgefühle z. B. in Situationen in denen andere Menschen gestorben sind, während wir selbst überlebt haben. Vor allem zu beobachten bei Kriegen, Katastrophen, wenn ein Zwilling gestorben ist etc..

Schmerz und Ohnmacht scheint bedeckt mit Schuldgefühlen einfacherer zu ertragen. Aber wir sind stark genug zu fühlen.

Tief atmen. Spüre deine Füße auf dem Boden.

Schuldgefühl-Situation Nr. 3

Jemand gibt dir die Schuld für etwas – und du stimmst zu.

Eric gibt Lina Schuld an seinen Überstunden. Und ein Teil von Lina nimmt sein Urteil an.

Meistens ist etwas in uns sofort bereit, sich der Meinung anderer über uns anzuschließen. Aber glaubst du ihm? Du entscheidest.

Dass jemand uns schuldig spricht, kann implizit und explizit geschehen. Manchmal verstehen wir Aussagen oder das Verhalten einer Person auch nur so, als ob. Die Folgen sind dieselben: unsere Schuldgefühle begleiten uns, oft sehr lang – vor allem, wenn das in der Kindheit passiert.

Oft werden Schuldgefühle als Erziehungsmaßnahme benutzt: „Mama macht es traurig, wenn du dein Zimmer nicht aufräumst“. Später sagen wir zu unsere*r Partner*in: „Wenn du mich lieben würdest, würdest du mehr im Haushalt machen“. Das ist toxisch.

Es wird z. B. Verantwortung zugeschrieben, die wir nicht haben. Nicht nur für die Gefühle anderer, sondern auch für anderes gewaltvolles Handeln: So „kann ich ja nur zuschlagen, wenn du mich so provozierst“. Unerträglich ausgeliefert und ohne andere Erklärung für die Situation, nehmen Geschlagene diese Zuschreibung leicht an. Wir sehen uns den Zusammenhang von Schuldgefühlen und Hilflosigkeit in weiteren Artikeln noch genauer an.

Person hält Zeigefinger von oben an die Kehle eines Kindes und scheint es damit niederzudrücken

Schuldgefühl-Situation Nr. 4

Du übernimmst die Schuld(gefühle) einer anderen Person.

Das entsteht oft in Eltern-Kind-Verbindungen. Wenn z. B. ein Elternteil Menschen getötet hat. Die Nachkommen leiden oft unter (diffusen) Schuldgefühle, deren Ursprung zunächst schlecht erklärbar ist. Wir können das in Deutschland z. B. bezüglich Verbrechen aus dem Dritten Reich beobachten. Schuldgefühle wandern so durch Generationen.

Tief atmen und den Boden spüren. Du bist stark genug für diese Gefühle.

Schuldgefühl-Situation Nr. 5

Du hast Schuldgefühle dir selbst gegenüber.

Auch uns selbst gegenüber, können wir ein schlechtes Gewissen haben – z. B. wenn wir etwas verändern wollen, es uns aber nicht gelingt.

Zwei verschiedenen Anteile in dir streiten, nennen wir sie A und B. Teil A möchte weniger Alkohol trinken. Teil B sagt: „dieses eine Gläschen, komm schon“. Trinkst du es, hast du einen inneren Konflikt und fühlst dich schuldig gegenüber Teil A. Das gleiche funktioniert natürlich auch gegenüber Personen in deiner Umgebung.

Wie gesagt, machen wir solange etwas, wie wir einen guten Grund dafür haben. Was ist deiner? Schuldgefühle ändern unsere guten Gründe nicht.

Welche Perspektive möchtest du einnehmen? Welchen inneren Stimmen glaubst du?

Schuldgefühl-Situation Nr. 6

Egal, was passiert – Schuldgefühle sind in dein Selbstbild übergegangen.

Schuldgefühle beziehen sich zunächst auf bestimmtes Verhalten. Je häufiger du dir aber Schuldgefühle bäckst, desto mehr verankert sich das in unserem Selbstbild. Wir verlieren den Bezug zu etwas in uns, was wir als nicht schuldig empfinden. Aus „ich fühle mich schuldig, weil ich etwas getan oder gelassen habe"‚ wird „ich bin schuldig, weil ich existiere; mir steht nichts Gutes zu“.

Typisch dafür: sich ständig mehr oder minder schlecht, verurteilt, störend, unerwünscht und verpflichtet fühlen. Mit allem geht ein schlechtes Gewissen einher. Spezielle Auslöser oder Gründe dafür sind immer weniger nachvollziehbar. Vielmehr begleitet uns ein diffuser Schuldschleier.

Frau hält sich weißen Schleier vor das Gesicht

Auch wenn deine Schuldgefühle dich automatisch begleiten: du kannst lernen sie zu erkennen, zu dekonstruieren und sie gehen zu lassen! Beginne sie zu durchschauen. Das ist eine Aufgabe für deine*n innere*n Detektiv*in.

So prüfst du, was dein schlechtes Gewissen auslöst

Hast du überhaupt Schuldgefühle? Der zweiten Artikel dieser Serie leitet dich an, wie du sie erkennst. (Link) Mit diesen drei Schritten kommst du deinem Leben ohne Schuldgefühle näher:

  1. Womit haben deine Schuldgefühle begonnen?
    Was war das ganz genau für eine Situation? Beschreibe sie kurz, wie wenn du ein Drehbuch schreiben müsstest - Kameraeinstellung in Vogelperspektive. „X hat den Raum betreten, ich saß am Schreibtisch. Ich habe Hallo gesagt usw.“
  2. Während du den Film ablaufen lässt, spüre in deinen Körper hinein und beobachte deine Empfindungen und deine Gedanken!
    Was spürst du, in welchem Bereich deines Körpers? Wann tritt was genau auf und wie fühlt es sich an? Was denkst du dabei? Wie interpretierst du die Situation? Welche Anteile in dir, vertreten welche Ansichten?
  3. Stehe auf und bewege dich. Hüpfen, schütteln, tanzen…irgendeine freie Bewegung, die deinen ganzen Körper bewegt. Jetzt. Und ganz besonders, wenn du nicht willst!

Freie Bewegung zerbricht starre Strukturen und Schuldgefühle sind an Starrheit kaum zu überbieten. Das ist deine Chance und dein erster Schritt zur Veränderung!

Es geht nicht darum komplexe, analytische Konstrukte zu bilden! Zerdenke es nicht, es geht nur darum dir selbst und deinen Automatismen auf die Spur zu kommen: Spielt das Thema Schuldgefühle für mich genau jetzt und genau für diese Situation eine Rolle? Und was spüre ich dabei?

Was kannst du diesem Mix an Gefühle und Gedanken entgegenhalten? Du bist stark. Du kannst ihm etwas entgegenhalten. Was ist es?

Wenn du Unterstützung brauchst, buche einen Termin mit mir!

Graffiti einer geöffneten Hand auf der ein schreiender Mund abgebildet ist

Weiteres für ein Leben ohne schlechtes Gewissen, erfährst du in den folgenden Artikeln dieser Serie! Lass dir das nicht entgehen und melde dich für meinen Newsletter an!

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Weißt du schon, warum sich Schuldgefühle so gar nicht lohnen und was eine bessere Alternative ist? Im ersten Teil dieser Artikelserie findest du die Antworten. Der zweite Teil der Serie leitet dich an, zu prüfen, ob du Schuldgefühle hast und wie sie aufgebaut sind.

Dunkelblonde Frau zieht gestreiften großen Schal hoch ins Gesicht bis zu ihren braunen Augen

Wie gelingt uns ein Leben ohne schlechtes Gewissen?
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 1 / 3

Quälen die Tage oder die Nächte mehr? Majas Herz hämmert in ihrer Brust. Ihr Nachthemd klebt schweißnass an ihrem Rücken. Es ist 05:30 Uhr, in einer Stunde wird ihr Wecker klingeln. In ihrem Kopf rasen die Bilder ihres Traums: Immer wieder begegnet ihr eine unbekannte Gestalt und überreicht ihr einen Umschlag. Mit schweren Händen öffnet sie ihn. Acht schwarze Buchstaben auf grauem Papier – SCHULDIG.

Frau hält Handfläche an verregnete Glasscheibe vor ihr

Sind Schuldgefühle überhaupt Gefühle?
ZOYA und ein Leben ohne Schuldgefühle • Teil 2 / 3

300 Höhenmeter, steiniger Boden, sengende Mittagssonne. Noch stehst du am Fuß des Berges. Du und dein Rucksack mit gefühlt 20.578 notwendigen Dingen. Kein Lift, kein Auto, kein Rollkoffer. Trotzdem wirst du heute Abend den Gipfel erreicht haben. Und dann kannst du dich nicht nur über frische Bergluft freuen: du kannst du endlich deinen viel zu schweren Rucksack absetzen!


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Deine Anna